Der Seelenfütterer - Klaus Bendel

Glauben (er)leben

Corona-Ferien                                        von Klaus Bendel August 2020

(Ein Beitrag zur Aktion Hoffnungsdraht)

„Wie viele Gedanken doch in ein so kurzes Stück Weg passen“, denkt er so bei sich als er am Ende der Straße die alte Linde stehen sieht. Bald wäre er am Ziel angelangt. ---  „So viele Gedanken …“

Nach der Arbeit war er mit seinem alten Damenrad nachhause gefahren.

Im Fernsehen, wie schon seit Monaten immer das gleiche Thema: Corona. 
Kein Wunder, denn nichts hat je in so kurzer Zeit so viele Menschen bedroht. 
Nie stand die gesamte Menschheit vor einem solchen akuten Problem, das sie nicht so einfach aus der Welt schaffen konnte. 
Plötzlich schienen alle für kurze Zeit vereint: 
vereint in der Angst, vereint in der Not.

Diese Not zeigt sich mit vielerlei Gesichtern. 
Von der Angst und dem Kampf ums nackte Überleben, 
bis hin zur „Not“ der Maskenpflicht mit all Ihren Einschränkungen.

Heute hatte er einen Bericht über „Urlaub im Coronajahr“ gesehen. 
Menschen kamen zu Wort. 
Die einen waren völlig unbeeindruckt und halten die Coronapandemie für eine Erfindung, die Gefahren für übertrieben. „Ich komme gerade aus dem Urlaub und habe niemanden getroffen, der krank gewesen wäre“. 
Andere waren mit Vorsicht in die Ferien gestartet. Sie hatten statt dem sonst üblichen Hotelbesuch, eine Ferienwohnung gebucht: „Hier kommen wir nicht mit so vielen fremden Menschen zusammen, die uns anstecken könnten. Außer beim Einkaufen, aber das ist zuhause ja genauso.“ 
Die dritte Gruppe war noch vorsichtiger: „Wir bleiben dieses Jahr zuhause. So schlimm das ist, denn wir hatten unseren Urlaub bereits geplant. Statt zwei bis drei Mal im Jahr in Ferien zu fahren, müssen wir leider darauf verzichten. Das ist uns einfach zu gefährlich.“

Doch nun war Zeit es geworden. Mit dem was er eben gesehen hatte, machte er sich auf den Weg. 
Er dachte darüber nach, wie unterschiedlich doch die Menschen sind. 
Von sorgenlos bis äußerst vorsichtig ist alles dabei. 
Ganz nebenbei ist ihm dann noch etwas aufgefallen, das eigentlich nichts mit Corona zu tun hat. 
Ihm fiel auf wie selbstverständlich eines in unserem Land ist; wie selbstverständlich es wohl ist in Urlaub fahren zu können. 
Er selbst war schon lange nicht mehr in den Ferien weggefahren. Seit die Miete und auch die Nebenkosten dermaßen gestiegen waren, kommt er mit seinem bisschen Gehalt gerade so über die Runden; an Urlaub ist da nicht zu denken.

Und schon steht er vor der alten Linde. Nur noch wenige Schritte trennen ihn von seinem Ziel.

„Ein bisschen Urlaub habe ich dann doch …“ denkt er so, als er durch das Portal das Innere der Kirche betritt und die Gemeinde zum Abendgottesdienst versammelt sieht. 
„Einen Kurzurlaub – Einen „Kurzurlaub für die Seele“

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Ps 119,25: Meine Seele liegt im Staube; erquicke mich nach deinem Wort. 

 Klaus Bendel